Grüß Gott
(excelchen ist Bayer ;-)
Ich finde offen gestanden weder Athains noch Tobys Denkansatz überzeugend, mit Ausnahme von Tobys letzten Sätzen.
Zunächst zu Athain.
Die Geschichte vom Ende des Wachstums ist älter als das Wachstum selbst. Schon Cicero wusste, dass die Menschheit ihren Zenit überschritten hatte. Der erste Leiter des US-Patentamts Henry Ellsworth gab zu Protokoll, dass alles, was wert sei, erfunden zu werden, bereits erfunden sei und man ergo das Patentamt und die Kosten dafür einsparen könnte, und laut Club of Rome gibt es seit 2002 kein Öl mehr. Ich kann mich noch genau an einen CT Artikel erinnern, in dem schlüssig belegt wurde, warum 8-fach die höchstmögliche Geschwindigkeit von CD-Rom Laufwerken sind und IBM-Chef Thomas J. Watson stellte bereits 1943 fest, dass der Bedarf an Computer weltweit 5 nicht überschreiten werde.
Alle diese Geschichten machen den Fehler, den Du auch machst: Du interpolierst die heutigen Lösungen auf die Probleme der Zukunft. Und das geht eben nicht. Die Zukunft hat ihre eigenen Probleme und eben auch ihre eigenen Lösungen. Die Welt ist ein System, und daher nicht vergleichbar mit einer Summe von Teilen.
Als ich in der Schule war, galt die Überbevölkerung als das weltweit katastrophalste Problem. Lehrer, Bücher, Experten, Nachrichtensprecher, alle, alle, alle belegten schlüssig und wissenschaftlich fundiert, warum die Überbevölkerung unsere Erde umbringen wird. Heute redet niemand mehr davon. Waldsterben: in den 80er Jahren waren selbst moderate Moderatoren der festen Überzeugung, dass die Kinder des 21. Jahrhunderts keinen Wald mehr kennen würden. Und allen war klar, dass unsere Industrie von der Übermacht Japans an den Rand gedrängt würde; von der sowjetischen Bedrohung und dem 3. Weltkrieg ganz zu schweigen. Von Klimaerwärmung, islamischem Terrorismus und der Weltmacht China, den Bedrohungsszenarien unserer Tage, wusste und ahnte noch niemand.
Die Probleme der Zukunft werden nicht mit den Lösungen von heute gelöst werden. Ebenso wenig wie die Lösungen von gestern (Sozialismus, Transrapid und SDI) die Probleme unserer Zeit lösen können. Die Probleme der Zukunft sind tatsächlich noch völlig unbekannt, und wir sollten unseren Nachfolgern nicht unsere Lösungen, sondern das Vertrauen angedeihen lassen, eigene Lösungen finden zu werden. Katastrophen, die uns heute unabwendbar erscheinen, werden sich vielleicht ebenso von selbst erledigen, wie sich der Kommunismus, Japan, Waldsterben und die Überbevölkerung von selbst erledigt haben. Dafür werden aber die Kinder unserer Kinder vor Szenarien zittern, die uns heute völlig lächerlich erscheinen, man stelle sich vor, man hätte jemandem in den 60ern und 70ern erzählt, dass die deutsche Industrie vom Wettbewerbsdruck Chinas in die Knie gezwungen wird.
Schluss daher damit, anhaltendes Wachstum für ein Bedrohungsszenario zu halten. Schluss damit, in der Drosselung desselben die Lösung zu erhoffen. Und Schluss damit, Vorhersagen darüber machen zu wollen, wie schnell oder langsam in 100 Jahren extraterrestrische Industrie aufzubauen ist. Vielleicht wird sie so selbstverständlich sein, wie sie in den Utopien der 1950er Jahre erschien. Vielleicht so Unsinnig, wie denen der 1850er Jahre, wir wissen es nicht. Und wir müssen die Frage auch heute nicht beantworten.
Statt uns unsere Köpfe über die Sorgen unserer Enkel Gedanken zu machen sollten wir uns statt dessen über unsere Sorgen Gedanken machen: Wie gehen wir mit dem (für uns) unabwendbaren Klimawandel um?
Zu Toby:
Die Geburtenzahlen sagen aber leider nichts über den Ressourcenverbrauch, denn andernfalls müsste ja der Ressourcenverbrauch Dubais kleiner sein als der des Sudan... Tatsächlich beginnt eine Volkswirtschaft erst dann nennenswert Ressourcen zu verbrauchen, wenn sie das Wachstum in Griff hat; siehe China, siehe auch alle westlichen Staaten. Insofern ist die These, dem Wachstum des Ressourcenverbrauchs sei irgend eine natürliche Grenze gesetzt durch nichts zu halten. Wir müssten vor ca. 5 Jahren mal eine Diskussion darüber im cb geführt haben...
Schlau finde ich hingegen die Argumentation, dass man, um diesen zu decken, wohl zunächst die Ressourcen vor der Haustür adressieren wird, bevor man einen im Prinzip völlig leeren Raum danach durchsucht.
Gruß,
exclechen